Kinderpornographie

Zu diesem Thema hatten wir ein hohe Anzahl an Berichterstattungen in den Medien.

Folgende Fernsehbeiträge gehören dazu:

Mitteldeutscher Rundfunk, Redaktion Unverblümt, 1995

ZDF, Redaktion Frontal 28. 09. 93

PRO 7 Redaktion Hautnah, 08.08. 94

RNF, Red. Life, 10. 08. 95

NDR, Red. DAS, 12. 01. 96

sowie eine ganze Reihe Radiosender, Zeitungen und Illustrierte

Unseren Kampf gegen Kinderpornographie hatten wir auf die in vielen Kiosken frei erhältlichen Kinder - FKK beschränkt. Diese verhältnismäßig harmlos erscheinenden Blättchen bilden aber zweifelsohne die Einstiegsdroge für Jugendliche und Erwachsene in die harte Kinderpornographie. Als ich zum ersten mal die bekanntesten Kinder - FKK - Schriften "Jung und Frei"

sowie "Sonnenfreude" sah war ich sehr schockiert. Sämtliche abgelichteten Kinder dieser Kinder - FKK - Hefte wurden im Vierfarbabdruck und stets mit dem Auge der Kamera in Geschlechtsteilhöhe abgelichtet, so daß das Auge des Betrachters sofort auf die Geschlechtsteile der etwa 3- 12jährigen nackten Jungen und Mädchen fixiert wird. Die Aufnahmen nehmen sich im Vergleich mit harten Kinderpornos zwar harmlos aus, verfolgen aber den gleichen Zweck und - erzielen diesen auch bei wachsend vielen Menschen die labil und haltensschwach sind.

Wenn ich damals geahnt hätte was für ein langer und steiniger Weg es ist die Kinder von der Gefahr dieser unseligen Kinder - FKK - Produkte zu befreien, wieviel persönliche Schmähungen, Diffamierungen und Ausgrenzungen ich dafür auf mich nehmen muß so hätte ich rundheraus gesagt, daß dieser Kampf -trotz aller Fakten - niemals zu gewinnen ist. Ich stellte damals (Der von mir gründete M.U.T. - Verein existierte noch nicht) eine ganze Reihe von erfolglosen Indizierungs- und Strafanträgen oder konnte über diverse Berichterstattungen in Funk und Fernsehen andere Menschen dazu bewegen bei ihren Stadtjugendämtern Anträge gegen diese unseligen Kinder - FKK - Schriften einzureichen.

In der Entscheidung Nr. 4233 vom o7. o5. 92

gegen Sonnenfreunde - Zeitschriften der Nrn. 137, 157, 166, 167, 169, 170,

und 177 der Hanseatic Buch und Presseerzeugnisse

hieß es bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften:

Die Zeitschriften "Sonnenfreunde" werden nicht

in die Liste der Jugendgefährdenden Schriften eingetragen.

Zum Sachverhalt und Begründung hieß es:

 

(...)

Das Magazin "Sonnenfreunde "wird im Zeitschriftenhandel als Zeitschrift mit Sondercharakter bezeichnet. Diese Bezeichnung erlaubt es den Händlern, die Zeitschrift in der Auslage zu deponieren, wo sie es selbst für richtig halten. Sie ist in den Auslagen und an Kiosken meistens bei den Sex-Zeitschriften vorzufinden.

(...)

Die Antragsteller begründeten ihren Antrag im wesentlichen damit, daß die Konzeption der Hefte und die Art der darin präsentierten Abbildungen Kinder und Jugendliche zu Sexualobjekten degradiere. Es sei zu befürchten, daß solche Magazine dem sexuellen Mißbrauch von Kindern Vorschub leisten könnten, da pädophil veranlagte Betrachter möglicherweise Zielgruppe der Zeitschriften sind, zumindest aber zum potentiellen Leserkreis gehören.

Zur Frage, inwieweit von den Verfahrensgegenständlichen Magazinen eine Jugendgefährdung ausgeht, wurde ein Gutachten von Prof. Dr. Horst Scarbath, Professor für Erziehungswissenschaften und Sozialpädagogik an der Universität Hamburg eingeholt.

Der Gutachter kommt im wesentlichen zu dem Ergebnis, daß Kinder und Jugendliche durch die Magazine nicht in ihren sexuellen Normen und Weltanschauungen fehlgeleitet werden; die "Sonnenfreunde"- Sonderhefte seien damit nicht jugendgefährdend im Sinne von § 1 I GjS. Zudem warnt der Gutachter davor, die Zeitschriften wegen der möglichen Nebenbenutzung der Hefte durch pädophil disponierte Konsumenten zum "Nebenkriegsschauplatz" geraten zu lassen. Denn Kinderpornographie im Sinne der §§ 6 Nr. 2 GjS, 184 Abs. 3 StGB seien die Hefte "Sonnenfreunde" nicht. Eine mittelbare Gefährdung von Kindern und Jugendliche durch pädophil veranlagte Rezipienten werde durch das GjS in Fällen, die unterhalb der Kinderpornographie angesiedelt sind, nicht erfaßt.

Im Termin zur mündlichen Verhandlung vom 07. 05. 92 beantragt der bevollmächtigte Rechtsanwalt der Verfahrensbeteiligten die Abweisung der Indizierungsanträge und führt dazu sinngemäß aus, daß die Befürchtung der Antragsteller, die Hefte würden von pädophil veranlagten Menschen genutzt, in den Bereich der Spekulation zu verweisen seien. Ganz abgesehen davon seien die Hefte durch das GjS nicht erfaßt, wie auch schon der Gutachter aufgeführt habe.

(...)

In der mündlichen Verhandlung, bei der der Rechtsanwalt und der Gutachter zu Fragen der Mitglieder des Gremiums Stellung genommen haben, kristallisierte sich heraus, daß die Antragsteller mit ihrer Befürchtung, die Zeitschrift habe möglicherweise als Zielgruppe pädophil veranlagte Konsumenten, zumindest aber gehörten Pädophile zum potentiellen Leserkreis, richtig liegen.

(...)

Auffallend an den Heften ist, daß der Genitalbereich der Kinder und Jugendlichen eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

Zu dem Kreis der Konsumenten, die Magazine zum Anschauen erwerben, konnte der Rechtsanwalt der Verfahrensbeteiligten leider ebenfalls keine Angaben machen. Kinder und jugendliche seien es jedenfalls nicht, erklärte der Rechtsanwalt und der Gutachter übereinstimmend. Denn diese würden sich, weder vor noch in der Phase der Pubertät, für nackte Kinder interessieren. Im Umkehrschluß daraus ergibt sich, daß der Konsumentenstamm unter erwachsenen zu suchen ist, die sich für in solcher Weise präsentierte Fotos interessieren.

Obgleich das Gremium nach der mündlichen Verhandlung davon überzeugt war, daß diese Form der Abbildung nackter Kinder und Jugendlicher diese zu Anschauungsobjekten machen, obgleich festgestellt wurde, daß mit einer solchen Präsentation die Menschenwürde zumal der dort abgebildeten Kinder allgemein verletzt wird, eben weil die geschlechtsbetonte Nacktheit von Kindern und Jugendlichen als Anschauungsmaterial präsentiert wird, und obgleich nicht ausgeschlossen werden kann, daß das Bildmaterial von pädophil veranlagten Menschen genutzt wird, konnten die Verfahrensgegenständlichen Magazine nicht indiziert werden.

(...)

 

Wir haben schon vor Jahren eine hohe Anzahl an Eingaben bei verschiedensten Politikern verschiedener Ministerien, bei der "Freiwillige Selbstkontrolle", "Deutscher Presserat", Staatsanwaltschaften, Jugendämtern, bei den zuständigen Stellen der evangelischen und katholischen Kirche (die sich am allerwenigsten interessierten und engagierten) bei Stadtbürgermeisterin (Heidelberg) und beschwert, jedoch immer wieder ohne auch nur den geringsten Erfolg. Das heißt, Verständnis wurde uns allerorten entgegengebracht, aber leider gar keine oder nur so wenig Hilfe, daß dem Kinder und Jugendschutz davon keinerlei nutzen zuteil werden konnte. Einige Schreiben die wir erhielten wollen wir Ihnen nicht vorenthalten und werde daher nachfolgend noch aufgeführt. Neben der Lauheit der Kirchen regte mich persönlich am furchtbarsten die Einstellung unseres derzeitigen Justizministers Schmitt - Jorzig auf der keine Bereitschaft hat diese unseligen Kinder-FKK-Schriften per Gesetz zu unterbinden gleichwohl sich durch diese Hefte eindeutige Bezüge zur Pornographie ergeben. Aber auch schon unter der früheren Justizministerin Frau Leutheuser - Schnarrenberger (die immer noch eine Expertenkommision auf dieses Thema ansetzte) geschah nichts. Frau Leutheuser-Schnarrenberger wurde dahingehend beraten diese Hefte auf dem Markt unserer Möglichkeiten frei zuzulassen.

 

Vom Deutschen Presserat erhielten wir ein

Schreiben über das man nur den Kopf schütteln kann:

"Ihre Eingabe vom 26. 10. 93

SONNENFREUNDE

Sehr geehrter Herr Brenner ,

wir kommen zurück auf Ihre o.g. Beschwerde. Wie wir Ihnen mit Schreiben vom

2.11. 93 mitteilten, ist es für die Behandlung der Eingabe nach § 4 Abs. 1 unserer Beschwerdeordnung unbedingt notwendig, von den angesprochenen Veröffentlichungen ein Original bzw. eine Ablichtung vorliegen zu haben. Mit Schreiben vom 04. 11. 93 teilen Sie uns mit, daß Sie sich nicht in der Lage sehen würden uns die Titel "Frische Burschen Nr. 11 "und "Buben über Stock und Stein Nr. 15 "zur Verfügung zu stellen.

Unsere Versuche, die Zeitschriften über den herausgebenden Verlag zu bekommen, sind leider fehlgeschlagen. Uns wurde die Auskunft erteilt, daß der Verlag schon seit 10 Jahren nicht mehr bestehe und die Veröffentlichungen ca. 15 Jahre alt seien.

Nach Rücksprache mit dem Vorsitzenden unseres Beschwerdeausschusses, Herrn Peter J. Velte, sind wir zu der Auffassung gelangt, daß wir Ihre Eingabe aus den o.g. Gründen leider nicht weiter verfolgen können. Wir bitten um Verständnis für die Entscheidung.

Mit freundlichen Grüßen "

 

Die von mir benannten Hefte waren voll im Umlauf und die FKK-Verlage bestanden sehr wohl noch. Selbst wenn die FKK-Hefte tatsächlich schon 15 Jahre alt gewesen wären, so änderte das nicht daran, daß sie noch im Umlauf waren. Mein Fehler war sicherlich diese Hefte dem Presserat im Original oder Kopie zugesandt zu haben. Ich hatte damals oft mein letztes Geld für Indizierungsmaterialien ausgegeben und war zu diesem Zeitpunkt kaum in der Lage dazu.

Frau Leutheusser - Schnarrenberger

Bundesministerin der Justiz

schrieb mir damals persönlich:

"Sehr geehrter Herr Brenner,

für ihr Schreiben vom 26. Januar danke ich Ihnen. Es ist mir ein besonderes Anliegen, Kinder besser vor sexuellem Mißbrauch zu schützen. Ich nehme deshalb Ihre Besorgnis, die hinsichtlich der FKK - Illustrierten "Sonnenfreunde "und ähnlicher Produkte äußern, sehr ernst.

Ich beobachte die Erscheinung sogenannter Freikörperkultur - Magazine, in denen die Bilder nackter Kinder vermarktet werden, ohne daß es sich hierbei um Pornographie im Sinne des Gesetzes handeln dürfte, bereits seit längerer Zeit mit Sorge. Die Ihnen mit Schreiben vom 14. Oktober 1992 mitgeteilte Auffassung, daß Strafvorschriften zur Erfassung solcher Zeitschriften nicht angebracht sind, ist nochmals überdacht worden. Ich habe Schritte zur Prüfung gesetzgeberischer Maßnahmen eingeleitet.

Mit freundlichen Grüßen

  1. Leutheusser – Schnarrenberger"

 

In einem weiteren Schreiben der damaligen Justizministerin

vom 08. November 1995 hieß es:

"Sehr geehrter Herr Brenner,

für Ihr Schreiben vom 27. September 1995 danke ich Ihnen.

Für Ihre Enttäuschung darüber, daß Ihre Forderung nach einer strafrechtlichen Verbotsnorm für sog. Kinder - FKK - Zeitschriften bislang nicht entsprochen werden konnte, habe ich Verständnis. Ihre gegen mich persönlich gerichteten Vorwürfe weise ich zurück. Wie Sie wissen, habe ich bereits im Jahre 1993 Schritte zur Prüfung gesetzgeberischer Maßnahmen eingeleitet, über die Sie sich - auch durch Telefonate mit Fachreferenten meines Hauses - haben unterrichten lassen. Zwar haben sich bisher keine rechtsstaatlich vertretbaren, wirkungsvollen Ansätze zur Lösung des Problems in den Bereichen des Zivil- und Strafrechts, für die ich als Justizministerin zuständig bin, ergeben. Damit ist die Diskussion aber nicht abgeschlossen. Vielmehr wird innerhalb der Bundesregierung weiterhin geprüft, ob neue Erkenntnisse eine andere Beurteilung rechtfertigen oder ob eine anderweitige gesetzliche Verbotsregelung in Betracht kommt.

Mit freundlichen Grüßen

  1. Leutheusser – Schnarrenberger"

 

 

 

Vom Generalstaatsanwalt

Geschäfts. - Nr. - Zs 399/95

24837 Schleswig

erhielten wir, bezüglich der vielen angebotenen Kinder - FKK - Videos

folgende Antwort:

"Sehr geehrter Herr Brenner,

ich habe den Sachverhalt geprüft, jedoch keinen Anlaß gefunden, in Abänderung des angefochtenen Bescheids die Aufnahme zur Ermittlung oder eine sonstige Maßnahme anzuordnen.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat das Verfahren zu recht und mit zutreffender Begründung eingestellt. Auch ihr Beschwerde vorbringen rechtfertigt eine andere Beurteilung nicht.

Die hier erneut vorgenommene Abspielung des von PRO 7 zur Verfügung gestellten Video-Bandes hat ergeben, daß es sich nicht um ein 4-5 Jahre altes, sondern um ein wesentlich älteres Mädchen, zudem bekleidet, mit einem Slip, handelt. Im übrigen läßt sich auch dem von Ihnen zur Verfügung gestellten Ausschnitt der Rhein-Neckar-Zeitung entnehmen, daß die Produkte der "Sonnenfreunde "nach der derzeitigen Gesetzeslage strafrechtlich irrelevant sind und deshalb auch u.a. aufgrund Ihrer Initiative das Bundesjustizministerium eine Expertenanhörung veranlaßt hat mit dem Ziel, eine praktikable Schutzvorschrift auf strafrechtlichem Gebiet zur Verhinderung der in Rede stehenden Produkte zu schaffen. Wie Sie selbst vorgetragen haben, ist die insoweit eingesetzte Sonderkommision bisher zu keinem Ergebnis gekommen, so daß nach bestehender Rechtslage gegen die Produkte und die verantwortlichen Verbreiter derzeit nicht vorgegangen werden kann.

Ich weise deshalb die Beschwerde als unbegründet zurück.

 

Hochachtungsvoll"

 

Endlich, am 30. 11. 95 gelang gegen den Hanseatic Buch- und Presseverlag

ein Indizierungserfolg:

Antragsteller war

das Stadtjugenamt Köln

Az.: 514/11

 

 

In der Entscheidung Nr. 4914 (V) vom 16. 11. 95

bekanntgemacht im Bundesanzeiger Nr. 225 vom 30. 11. 95

"einstimmig beschlossen:

Das Magazin "Sonnenfreunde "Nr. 9, September 1995

Berendt - Verlag, Heist,

wird in die Liste der jugendgefährdenden Schriften eingetragen.

 

(...)

Zur Begründung führt der Antragsteller aus:

"Kinder und Jugendliche sind auch vor Medien zu schützen, die dazu beitragen können, daß Minderjährige zu Sexual- und Lustobjekten degradiert werden, wie z.B. durch entsprechende Magazine wie "Sonnenfreunde".

Das vorliegende Magazin zeigt nackte Menschen, Kinder und Erwachsene, in unterschiedlichen Positionen und Stellungen. Auffallend dabei ist, daß besonders die jüngeren Personen zumeist Mädchen, so abgebildet sind, daß deren Geschlechtsmerkmale aufreizend in den Bildmittelpunkt gestellt worden sind. In der Aufmachung der Bilder wird deutlich, daß es hier nicht um die Darstellung des menschlichen Körpers an sich geht, sondern daß mit diesen Bildern gezielt eine sexuelle Erregung beim Betrachter erreicht werden soll. Die Tatsache, daß vorwiegend junge Menschen abgebildet werden, läßt die Vermutung zu, daß insbesondere Erwachsene mit pädophilen Neigungen angesprochen werden sollen.

.... Heranwachsende werden in verschiedenen, meist sexuell - pornographisch betonten Posen dargestellt, wobei die Sequenz mehrere Bilder einer Person der Stärkung des Erregungspotentials dienen soll. Des weiteren werden hier Minderjährige bzw. Heranwachsende zu Sexual- und Lustobjekten degradiert.

(...)

Gründe

Die Zeitschrift "Sonnenfreunde "war antragsgemäß zu indizieren.

Ihr Inhalt ist offenbar geeignet ( § 15 a Abs. 1 GjS), Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren, wie das Tatbestandsmerkmal "sittlich zu gefährden "in § 1 Abs. 1 Satz 1 GjS nach ständiger Spruchpraxis der Bundesprüfstelle sowie höchstrichterlicher Rechtsprechung anzulegen ist. Der Inhalt der Zeitung ist pornographisch. Die Zeitschrift ist damit nicht nur jugendgefährdend, sondern offensichtlich schwer jugendgefährdend im Sinne von § 6 Nr. 2 GjS, § 184 I StGB, wenn sie unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher Weise in den Vordergrund rückt und ihre objektive Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend nur auf das lüsterne Interesse des Betrachters an sexuellen Dingen abzielt (vgl. BGHSt 23, 44; Lenckner in: Schönke /Schröder, Kommentar zum Strafgesetzbuch, 21. Aufl., RdNr. 4 § 184 StGB).

(...)

Eine Auseinandersetzung mit dem Kunstvorbehalt erübrigt sich. Nach der Rechtssprechung des OVG Münster (Beschluß vom 28. 06. 1991 zu "Penthouse" und zu "New – Magazins", Az.: 20 A 1306/87 und 20 A 1184/87 sind Abbildungen nackter oder spärlich bekleideter Fotomodelle, die mit ihren zur Schau gestellten Geschlechtsmerkmalen lediglich sexuelle Bedürfnisse des Betrachters befriedigen sollen, nicht als Kunstwerk einzustufen. Solchen Abbildungen läßt sich kein künstlerischer Aussagewert entnehmen, auch sind sie nicht interpretationsfähig"

(...)

Monssen - Engberding Graumann Jungeblodt

rie

 

 

 

Über das Stadtjugendamt Bonn

stellte M.U.T. e.V.

gegen Kinder-FKK - Poster einen Indizierungsantrag. Um

eine Dauerindizierung dieser Produkte zu erreichen reichten wir gleich 3 der sogenannten

Kinder - FKK - "Kunstdruckmappen" ein. Die Aufnahmen waren größtenteils sehr erschreckend. So wurden Beispielsweise im Posterweise Fotos von einem etwa 9jährigen Mädchen in einer Badewanne stehend gezeigt. Das Mädchen wurde mit dem Auge der Kamera von unten nach oben fotografiert und dabei der Blick des Betrachters ganz besonders auf deren Geschlechtsmerkmal fixiert.

 

Pr. 114/96 bis 116/96 Bundesprüfstelle

für jugendgefährdende Schriften

Entscheidung Nr. 4648, 4649, 4650 vom 12. 12. 1996

bekanntgemacht im Bundesanzeiger Nr. 243 vom 31. 12. 1996

Antragsteller: Stadtjugendamt Bonn Verfahrensbeteiligte

Bottlerplatz 1 Gerd Behrendt Edition

53103 Bonn (Unzustellbare Anschrift)

 

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hat in ihrer

    1. Sitzung vom 12. Dezember 1996

(....)

beschlossen:

Die Poster - Serie - Kinder FKK

"Knaben des Kontinents",

"Susette in blond" und

"Lo und Liselotte",

Gerdt Berendt - Edition

(Anschrift unzustellbar)

wird in die Liste der jugendgefährdenden

Schriften eingetragen.

SACHVERHALT

(...)

Der Titel "Lo und Liselotte" zeigt zwei Mädchen, daß eine ein Kind vor der Pubertät, das andere in der Pubertät, beide nur im Wechsel von Badezimmer und Schlafzimmer, keine Autorpräsentation, die Bildqualität ist durch Blau und Rotsichtigkeit "verfremdet", die Arrangements sollen Kindlichkeit, Schmusetiere als Assesoires (und Intimität) Duschbäder vor allem des Intimbereichs vermitteln;

das kleinere der beiden Mädchen soll offenbar als Lolita (Lo) gesehen werden, auch in dieser Serie konzentriert sich die Optik auf den Genitalbereich.

(...)

Der Antragsteller beantragt die Indizierung, weil er der Auffassung ist, daß der Inhalt der Kunstdruck - Mappen geeignet sein kann Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren. Er hebt darauf ab, daß zu befürchten ist, daß durch das intensive Betrachten der Bilder das sittliche Verhalten der Kinder und Jugendlichen von der Norm des Erziehungsziels abweichen könnte, die Entwicklung der jungen Menschen zu einer sittlich einwandfreien Festigung der Persönlichkeit negativ beeinflußt werden könnte.

(....)

 

GRÜNDE

(...)

Der Inhalt der Mappen richtet an Kinder und Jugendliche die Botschaft, für sich selbst in bestimmten Situationen eine Rolle als Anschauungsobjekt zu akzeptieren und auf die unbedingte Unverletzlichkeit der eigenen Menschenwürde zu verzichten. Für Kinder und Jugendliche bleibt der Inhalt der Mappen nur auf den ersten Blick harmlos. Angesichts der Bedeutungslosigkeit des Textes und der gleichzeitig massiven Häufung des Bildmaterials wird letzteres auch bei Kindern und Jugendlichen vorrangig Beachtung finden. Ihnen bietet sich bei der Rezeption folgendes Bild:

Die auf den Postern abgebildeten Kindern werden dem Betrachter fast immer frontal oder halbfrontal präsentiert, wobei der Genitalbereich der Kinder und Jugendlichen eine erhebliche Rolle spielt. Durch die Haltung der fotografierten Kinder und Jugendlichen und durch die Verwendung von Lichteffekten wird dem Genitalbereich der Abgebildeten eine präsentative Bedeutung gegeben. Zudem engt die Fülle des Bildmaterials das Blickfeld des Betrachters auf den Genitalbereich

ein.

Die abgebildeten Kinder und Jugendlichen werden durch die Art und Weise der Präsentation zu Anschauungsobjekten degradiert und damit in ihrer Menschenwürde verletzt. Hier werden Bilder vermarktet, auf denen Kinder zu Objekten perverser Neigungen von Erwachsenen gemacht werden. Darin liegt eine eklatante Verletzung der Menschenwürde und damit der vom Grundgesetz errichteten Wertordnung insgesamt.

Diese Herabwürdigung ihrer Altersgenossen zu Schauobjekten und die damit einhergehende Verletzung der Menschenwürde ist auch für Kinder und Jugendliche in ihrer Rolle als Rezipienten wahrnehmbar. Auf diese Weise tragen die Mappen zu einer Bewußtseins- und Überzeugungsbildung der Kinder bei, wonach es "normal "und sozialadäquat ist, daß Kinder und erwachsene zwanglos in einer Atmosphäre zusammenfinden können, in der -vermittelt durch die betonte Präsentation der Genitalregion - eine Konzentration auf geschlechtliche Zusammenhänge stattfindet. Kinder als Betrachter akzeptieren so die ihnen in den Mappen zugewiesene Rolle als beliebig verfügbare Anschauungsobjekte. Entsprechend dem von den Mappen vermittelten Weltbild wird es Kindern erschwert, sich Wünschen von Erwachsenen, die sie in diese Rolle des Anschauungs- bzw. Sexualobjekts hineindrängen wollen, zu widersetzen.

Aus der Tätigkeit der Hilfs und Beratungseinrichtungen, die sich der Hilfe für sexuell mibrauchte Kinder widmen, ist bekannt, wie wichtig es für den Bereich der Präventation ist, daß Kinder sich darüber im klaren sind, und daß an sie gerichteten sexuellen Wünsche von Erwachsenen eine Tabuverletzung darstellen und daß sie berechtigt sind, sich diesen Wünschen zu widersetzen. Den Bemühungen, Kinder stark zu machen und zu befähigen, ihre körperliche Integrität vor strafrechtlich relevanten Übergriffen von Erwachsenen zu schützen, laufen die von den in Rede stehenden Heften vermittelnden Botschaften zuwider.

Diese subtile Vermittlung der Normalität des sexuellen Umgangs von Erwachsenen mit Kindern - unter gleichzeitiger Betonung der kindlichen Genitalbereiche - machen sich nach kriminalpolizeilichen Erkenntnissen erwachsene Kindesmißbraucher zunutze. Bein einem hohen Prozentsatz von überführten und rechtskräftig verurteilten Kindesmißbrauchern sind bei Hausdurchsuchungen derartige Hefte gefunden worden. Sie werden häufig dazu benutzt, Kinder "einzustimmen "und für den beabsichtigten Mißbrauch gefügig zu machen. Indem die Hefte Natürlichkeit und Harmlosigkeit suggerierten, gaukeln sie vor, Kinder hätten Spaß an den auf den Bildern eingenommenen Posen. Die Abbildungen aller Altersgruppen erweckt zudem den Anschein, daß Kinder und Jugendliche keine natürliche Scham hätten - was nicht zutrifft.

(...)

Die Wirkung einer massierten Ansammlung von Bildern auf minderjährige Betrachter, auf denen Kinder und Jugendliche zu Schauobjekten gemacht werden, kann nicht für alle Fälle in gleicher Weise beantwortet werden. Das GjS schützt aber auch problemgeneigte Kinder und Jugendliche d.h. in diesem Falle solche, die in ihren eigenen Wertmaßstäben noch nicht gefestigt und unsicher sind und deshalb Gefahr laufen, daß ihnen vermittelte Bild ihrer selbst zu übernehmen und zum Maßstab für das Verhalten in einer konkreten Gefährdungssituation zu

machen.

Damit ist hinsichtlich dieses Gefährdungsaspektes festzuhalten:

Medien, die ein verfälschtes Bild von dem, was der Normalität im Umgang zwischen Kindern und Erwachsenen entspricht, vermitteln und über die Grenzen des Selbstbestimmungsrechts der Kinder täuschen, begründen ein ernstzunehmendes Risiko, daß Kinder und Jugendliche in ihren Möglichkeiten beeinträchtigt werden, sich gegenüber sexuellen Übergriffen von Erwachsenen zu wehren. Die damit einhergehende Verunsicherung des Minderjährigen über die Frage, was den Erwachsenen gestattet ist und welche Grenzüberschreitungen Kinder erdulden müssen, beeinflußt das Selbstbestimmungsrecht der Minderjährigen. Ihre freie Willensbildung ist nicht nur beeinträchtigt, sondern durch die Mappen in sexueller Hinsicht fehlgeleitet. Die Mappen sind also geeignet, Kinder und Jugendliche im Sinne des § 1 Abs. 1 GjS sittlich zu gefährden.

Bei Kinder und Jugendlichen werden pädophile Neigungen hervorgerufen und verstärkt.

Die Mappen sind auch deshalb geeignet Personen unter 18 Jahren sexualethisch zu desorientieren, weil ihnen Kinder als potentielle Sexualpartner präsentiert werden. Bei den Fotos handelt es sich nicht um zufällige Schnappschüsse, sondern um sorgfältig ausgewählte Bildserien, die sich an dem Ziel orientieren, den Wünschen einer pädophilen Leserschaft bestmöglichst zu entsprechen. Gerade für Jugendliche, die hinsichtlich ihrer sexuellen Präferenz noch nicht gefestigt sind, kann die Rezeption derartiger Hefte eine Prägung in Richtung einer pädophilen Neigung auslösen oder eine bereits latent vorhandene pädophile Neigung verstärken.

Hierbei kann offen bleiben, ob der Nachweis einer solchen Wirkung unter Zugrundelegung wissenschaftlicher Kriterien aufgrund der Vielzahl der zu berücksichtigen gesellschaftlichen und persönlichen Faktoren überhaupt erbracht werden kann. Unter Gesichtspunkten des Jugendschutzes ist maßgeblich, daß eine solche Gefahr besteht und ernst genommen werden muß.

Sie muß in diesem Zusammenhang insbesondere deshalb ernst genommen werden, weil die Befriedigung pädophiler Neigungen untrennbar mit dem sexuellen Mißbrauch von Kindern und damit einem strafrechtlich relevanten Verhalten verbunden ist. Deshalb kann Pädophilie nicht wertfrei als gesellschaftlich tolerierbare Ausprägung menschlicher Sexualität qualifiziert werden. Für den pädophilen Täter mag es tragisch sein, daß er seine Veranlagung nicht ohne die massive Verletzung der Rechte von Kindern und den Bruch strafrechtlicher und sozialer Normen befriedigen kann. Hier muß dem Opferschutz jedoch eindeutig Vorrang gegeben werden.

Hierzu gehört es auch, mit den bestehenden Möglichkeiten zu verhindern, daß bei Jugendlichen sich eine sexuelle Normabweichung ausprägen kann, die sie persönlich ins gesellschaftliche Abseits drängt und zu Kindesmißbrauchern und damit zukünftig zu einer erheblichen Gefahr für andere Kinder machen kann.

(...)

Und die vielleicht wichtigste Rückfrage an die Kunstmappen - Produzenten?

Werden die Kinder und Jugendlichen, die hier abgebildet sind, für Prototypen der Jugendgeneration gehalten, haben sie ihre Biographie im Heute? Dazu zunächst eine allgemeine Bemerkung, wir wissen aus der Entwicklungspsychologie und aus dem Augenschein, daß Kinder im Alter der Vorpubertät und Pubertät an ihrer eigenen Körperlichkeit interessiert sind, und dieses Interesse auch im eigenen Bezugsfeld näher erfahren wollen "Liebe wird für die 12- bis 14jährigen zu einer unmittelbaren Herausforderung , das andere Geschlecht an subjektiv auffälligen und ausgewählten Personen kennenzulernen "(Norbert Kluge, Handbuch des Kinder- und Jugendschutzes, a.a.O., S. 326 ) Kinder üben in diesem Alter indes gleichzeitig eine auffällige Zurückhaltung ihren eigenen Körper nackt zur Schau zu stellen. Ein kurzer Blick auf die FKK - Strände, auch hierzulande, lehrt, daß zahlreiche Kinder in dem bezeichneten Altersabschnitt Vorpubertät und Pubertät vornehmlich "angezogen" oder "textil" rumlaufen. Die nachdrückliche körperliche Nacktheit, die in den "Kunstdruckmappen "demonstriert wird, spiegelt sich in der heutigen Jugendwelt so nicht wieder.

 

 

(...)

 

Monssen - Engberding

Rie/Schm

 

 

Am 12. 12. 96 gelang es endlich aufgrund der Indizierungsanträge mehrerer Jugendämter

die größten Kinder - FKK - Produkte Deutschlands (Produktversendung weltweit)

für ein Jahr im voraus zu indizieren und damit diese unseligen Produkte aus den auslagen der Kioske verschwinden zu lassen.

Die Entscheidungen dazu möchte ich den Lesern auszugsweise zu Papier bringen:

 

Pr. 290/96; 202/96; 208/96; Bundesprüfstelle für

jugendgefährdende Schriften

_________________________________________________________________

Entscheidung Nrn. 4639 bis 4641 vom 12. 12. 96

bekanntgemacht im Bundesanzeiger Nr. 243 vom 31. 12. 96

 

Antragsteller: Verfahrensbeteiligte

  1. Landratsamt Freudenstadt Peenhil Ltd.
  2. Kreisjugendamt Olpe 64 Great Eastern Street
  3. Stadtjugendamt Halle (Saale) London EC2A 3QR
  4. Stadt Bocholt England

 

 

(...)

SACHVERHALT

 

Die Zeitschrift "Jung und Frei" erscheint monatlich bei Peenhill Ltd., London. (...)

Die Antragsteller beantragten übereinstimmend die Indizierung, weil der Inhalt der Hefte geeignet sei, Kinder und Jugendliche sexualethisch zu desorientieren. Dies ergebe sich daraus, daß durch den Inhalt der Hefte die Würde des Menschen verletzt werde insofern, als Kinder zu Sexualobjekten degradiert würden. Weiterhin vermittele der Inhalt der Hefte Kindern den Eindruck, daß es normal sei, sich vor Erwachsenen auszuziehen und somit könnte der Inhalt der Hefte dazu geeignet sein, dem sexuellen Mißbrauch von Kindern Vorschub zu leisten.

Durch Entscheidung Nr. 4233 vom 07. 05. 1992 wurden mehrere Ausgaben der Zeitschriften "Sonnenfreunde", die bei Hanseatic Buch und Presseerzeugnisse, Hamburg erschienen sind, von dem 12er - Gremium der Bundesprüfstelle nicht in die Liste der jugendgefährdenden Schriften eingetragen. Zur Begründung wurde seinerzeit insbesondere auf das Gutachten, welches im Auftrage der Bundesprüfstelle von Herrn Prof. Scarbath, Hamburg erstellt wurde, verwiesen. In diesem Gutachten ist der Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, daß solche Zeitschriften von Kindern nicht gekauft werden. Weiterhin seien diese Zeitschriften nicht Jugendaffin. Kinder sähen in dem Heft lediglich nackte Kinder, die möglicherweise weitergehende Interpretation, daß solche Zeitschriften von pädophil veranlagten Menschen gelesen werden und entsprechend genutzt werden könnten, würde sich Kindern und jugendlichen nicht erschließen.

 

 

 

 

GRÜNDE

 

Die verfahrensgegenständlichen Ausgaben der Hefte "Jung und Frei" waren antragsgemäß zu indizieren.

Der Inhalt ist geeignet Kinder und jugendliche sozialethisch zu desorientieren, wie das Tatbestandsmerkmal "sittlich zu gefährden" in § 1 Abs. 1 Satz 1 GjS nach ständiger Spruchpraxis der Bundesprüfstelle sowie höchstrichterlicher Rechtssprechung auszulegen ist.

(Im wesentlichen folgt nun ein ähnlicher Sachverhalt und eine ähnliche Begründung

wie bei den Kinder-FKK-Kunstdruckmappen. Einige Passagen des Urteils möchte ich aber noch wiedergeben. Anm.)

"Nicht nur in diesem Zusammenhang, sondern grundsätzlich ist es unverzichtbar, daß jeder von Kindheit an eine persönliche Intimsphäre als Freiraum zur Selbstverwirklichung aufbauen und die Grenzen dafür selbst bestimmen darf. Die persönliche Intimsphäre schützt den "Kern "der Person. Sie umfaßt nicht nur den Geschlechtsbereich, sondern auch andere Werte und Eigenarten wie z.B. Geheimnisse, persönliche Schätze, innere Gefühle, aber auch persönliche Probleme. Das Schamverhalten hat eine wertgestützte Aufgabe, zum Schutz der Person gegen Einflüsse von außen. Sexualpädagogik sollte Unkenntnis und Unwissenheit (z.B. bei Geschlechtsunterschieden) vermeiden oder abbauen, aber die persönliche Intimsphäre und das Schamgefühl aufbauen und fördern, wie dies zur Freiheit und zum Schutz des einzelnen Menschen unentbehrlich ist" (vgl. Janzig a.a. O., S. 338)

Das in Artikel 1 GG geschützte Rechtsgut "Die Würde des Menschen" umfaßt auch den Anspruch auf sexuelle Selbstbestimmung. Unabhängig von Alter und Einsichtsfähigkeit schreibt Art. 1 GG fest, daß kein Mensch einer Handlung ausgesetzt werden darf, die ihn zum bloßen Sexualobjekt herabwürdigt.

Erkenntnisse der kriminalpolizeilichen Ermittlungsarbeit weisen auf Zusammenhänge zwischen sogenannten FKK - Heften und Kinderpornographie hin, so zuletzt geschehen in einem Referat ("Kinderpornographie Entstehung, Vertrieb und Bekämpfungsstrategien. Eine aktuelle Bestandsaufnahme aus kriminalpolizeilicher Sicht") von KHK Rainer Laschet, Polizeipräsidium Köln in dem unter anderem folgendes aufgeführt ist: "Bei fast allen Durchsuchungen, die wir wegen des Verdachtes des Handelns oder des Besitzes von Kinderpornographie durchführen, finden wir in den Wohnungen der Beschuldigten stapelweise genau diese Magazine. Aus vielen Verfahren wegen Verdachtes sexuellen Mißbrauchs ist uns bekannt geworden, daß solche Hefte und auch pornographische Magazine von Tätern den Kindern gezeigt wurden, um zu sehen, wie die Kinder darauf reagieren; also um festzustellen, ob es "leichte Opfer "sind. Damit wird den Kindern suggeriert, daß es normal wäre, sich in nackten Posen für Erwachsene ablichten zu lassen"

(...)

So wird in der Zeitschrift "Das Sonntagsblatt" folgendes ausgeführt:

"Ob JUNG UND FREI oder SONNENFREUNDE, das die Hanseatic Buch- und Presseerzeugnisse GmbH, Hamburg herausgibt oder B-Engel verlegt vom Sheer - Verlag, Berlin - für so unbedenklich halten nicht alle Experten die Magazine, die Kinderhaut zu Markte tragen.

Die Grenzen zum tatsächlichen sexuellen Mißbrauch sind fließend, sagt Ursula Enders von "Zartbitter", einer Kölner Informations. Beratungsstelle für mißbrauchte Kinder. Sie weiß aus der Therapie, daß pädophile Menschen sich anhand dieser Hefte erregen und sie auch für konkrete Formen des Mißbrauchs nutzen: Manche Täter zeigen Kindern die Hefte, um herauszufinden, ob sie es mit leichten Opfern zu tun haben, sie machen den Kindern weis, daß es normal sei, nackt für Erwachsene zu posieren und sich ablichten zu lassen."

(...)

Wenn aber die Befürchtung, die durch die Ausführungen der Kriminalpolizei bewiesen ist, dahin geht, daß auch die vorliegenden Medieninhalte ähnliche Auswirkungen wie dasVerbreiten von Kinderpornographie haben könnten, nämlich die sexuelle Stimulierung, dann kann es einer am Jugendschutz beteiligten Organisation wie dem 12er - Gremium der Bundesprüfstelle nicht verwehrt sein, solche Medien als jugendgefährdend einzustufen und deren ungehinderte Verbreitung in der Öffentlichkeit zu verhindern.

(...)

In den Fällen der Ablichtungen dieses Heftes wird zwar nicht eindeutig seitens der "Schauobjekte" zum Geschlechtsverkehr aufgefordert, die offenbar gestellten Körperhaltungen der Kinder in Verbindung mit den entsprechenden Kamerahaltungen vermitteln jedoch keinen anderen Eindruck.

(...)

Gleichzeitig war die Vorausindizierung für die Dauer von 12 Monaten mit allen Ausgaben, die zwischen dem 31. Dezember 1996 und dem 30 Dezember 1997 erscheinen, gemäß §7 GjS anzuordnen. Die Voraussetzung des § 7 sind durch die Indizierungen der verfahrensgegenständlichen Ausgaben gegeben. Eine Änderung des Heftinhaltes ist offensichtlich nicht zu erwarten, die Verfahrensbeteiligte hat dazu auch nichts vorgetragen.

Ein Fall von geringer Bedeutung konnte schon im Hinblick auf § 7 GjS nicht angenommen werden.

(..)

Monssen - Engberding

rie

 

 

Ebenfalls vorausindiziert für die Dauer von einem Jahr wurden die

Kinder - FKK - Produkte "AUS DER WELT DER FKK–JUGEND"

 

Die Urteilsbegründung der Bundesprüfstelle gegen die

Kinder-FKK-Hefte "Aus der Welt der FKK – Jugend" waren im wesentlichen so formuliert wie das auch schon bei den Kinder - FKK - Postern und den Kinder - FKK - Schriften "Jung und Frei" der Fall war.

 

Am 23. märz 99 schreibt uns Manfred Paulus, von der Kriminalpolizei Ulm, bekannt in den Medien als Ermittler gegen Kinderpornografie:

Betreff: Ihre Bemühungen wegen frei käuflicher Zeitschriften und Magazinen mit nackten Kindern.

Bezug: Ihre bisherige Mitteilungen/ Ihr Anruf vom 22.3.99

Sehr geehrter Herr Brenner,

ich teile Ihre Meinung, daß frei und an jedem Bahnhofskiosk erhältliche Zeitschriften auf dem Markt sind, die sehr problematisch erscheinen, was ihren Inhalt – unbekleidete Kinder in verschiedenen Posen – betrifft. Es ist kein Geheimnis, daß solche Produkte abnehmer haben, bei denen sexuelle interessen im vordergrund stehen. Die Rechtslage ist jedoch so, daß jedes einzelne Produkt und jede Ausgabe hinsichtlich evtl. strafbarer inhalte geprüft werden muß und ein allgemeines Verbot nicht besteht.

Auch ich bin der auffassung, daß über sinn und Zweck bestimmter erzeugnisse, ünber ihren Schaden und nutzen und auch über ein generelles Verbot nachgedacht werden sollte und unterstütze in dieser hichsicht ihre Bemühungen.

Hochachtungsvoll

Manfred Paulus"

Jahrelang hat der Kampf gegen diese unseligen Schriften gedauert die so viele Kinder schon durch das unmittelbare zutun von Erwachsenen in den Sumpf des Mißbrauchs, in moralische Abgründe -für viele ohne Wiederkehr- geführt haben. Ich kann nicht aufzählen wieviel Substanz mich dieser Kampf gekostet hat. Zeitweilig hatte ich das Gefühl dafür vollständig aufgerieben zu werden "Haben Sie ganz besondere Lust auf Kinder, daß Sie sich so stark dafür engagieren"- mit diesem Ausspruch wurde ich vor Jahren durch einen Bonner Politiker bedacht, als ich den wahren Sachverhalt um die Kinder-FKK darlegte. Andere Menschen aus meiner unmittelbaren Umgebung argumentierten gegen mich, daß mir im laufe der Zeit doch selber "einer stehen" müsse, wenn ich mich nun schon so lange mit diesem Thema auseinandersetze. Die Deutsche Bischofskonferenz bat mich davon Abstand zu nehmen, sie über solche Themen zu informieren, da sie sich ohnehin schon kontinuierlich und in vielen Fachgremien für den Kinderschutz einbringen würden. (Davon merke ich bis heute nichts) Die Kirchengemeinden in meiner Nähe behandelten mich aufgrund meines Engagements derart distanziert und nahezu feindlich, daß es mir beim bloßen Gedanken daran noch heute kalt den Rücken runter läuft. Ich habe durch mein Engagement mehrere Arbeitsstellen verloren (Durch anonyme Anrufer) mußte mir anonyme Anrufe bis in Fernsehsendungen gefallen lassen, an denen ich teilnahm und und und.......

...........und trotzdem muß dieser Kampf zum Schutz der Kinder und Jugendlichen weitergehen, die in unserem Land viel zu sehr im Stich gelassen werden.

 

1995 machte mich eine Sternredakteurin auf einen Berliner Kinder-FKK-Händler Namens Peter Schnaubelt aufmerksam und schickte mir auszugsweise einige Katalogseiten aus dessen Kinder-FKK-Angeboten zu. Die unzähligen Videos, Illustrierte, Poster, DIAS usw. schockten mich sehr. Besonders hart und bezeichnend war es für mich festzustellen, daß in den Kinderporno-Angeboten sich eine ganze Reihe sogenannter Aufklärungsschriften befanden die den Sex mit Kindern unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten sehr befürworten und den Kinderschändern Argumentationshilfen zum Sex mit Kindern bieten. So befand sich mitten unter dem Kinderpornoprogramm die meistverkaufteste sogenannte Aufklärungsschrift der 68er "ZEIG MAL!" in dem ein gewisser Dr. Brongersma den Sex Erwachsener mit Kindern befürwortet. (Siehe Zitate Eingangs dieses Buches aus ZEIG MAL ! ) Weiterhin wird aus der Buch - Werbung von Pro-Familia - Magazin 3/95 Rüdiger Lautmanns "Die Lust am Kind "natürlich auch angeboten, ebenso "wissenschaftliche " Ausführungen von Katharina Rutschky. Marius Tillmanns "Sag mir wo die Liebe ist" darf im Schnaubelt Katalog ebenfalls nicht fehlen. Als Werbetext zu diesem Buch heißt es: "Die Diskrepanz zwischen einer strukturell gewalttätigen Gesellschaft und den Mädchen und Jungen, die für ihr Bedürfnis nach Verstehen, Vertrauen, Zuwendung, Zeit und Liebe darin keinen Platz mehr zu finden glauben, wird zunehmend größer. Kinder in einem kalten Land: Macht und Gewalt in der Schule, auf der Straße, in der Familie. Können Kinder heute noch harmonisch leben? Hat die Pädagogik versagt? Gewalt gegen Menschen, gegen Kinder, unter Kindern war ebenso Inhalt von Lehrplänen der Schule wie die andere Seite, die Liebe, Zuwendung und Zärtlichkeit mit ihrer großen menschlichen Vielfalt. Ein Tabu, ein Mangel, der krank macht, hilflos und aggressiv. Macht und Gewalt gegen Kinder ist ein Thema, das viele Menschen berührt. Die Notwendigkeit der Suche nach Ursachen und Prävention ist unumstritten. Jedes Kind hat ein Recht auf Schutz vor Ausbeutung. Es gibt ältere Jungs und Mädchen die außerhalb des Familienkreises Zuneigung zu einem geschätzten erwachsenen Menschen entwickeln und diese auch auf eine zärtliche Ebene unter Einbeziehung ihrer Erotik heben, sich dennoch nicht mißbraucht, sondern emotional geborgen fühlen. Diese ‘stille Liebe’, die nur Verbote in einer lauten und egozentrischen Umwelt findet, wird zum Problem, das im Zerrbild einer öffentlichen Meinung Tatsachen entstellt, die es verdienen erhellt zu werden."

Zur Werbung des Buches "LOVING BOYS ", ein Buch von eben dem Dr. Brongersma der in ZEIG MAL ! für den Sex Erwachsener mit Kindern werben darf heißt es:

"DAS PÄDOSEXUELLE ABENTEUER

Dr. Edward Brongersma

Deutsche Ausgabe DES NIEDERLÄNDISCHEN UND ENGLISCHEN BESTSELLERS

Loving Boys ist die erste interdisziplinäre Studie über das pädosexuelle Abenteuer - eines der letzten großen Tabus unserer Zeit. Ihr Verfasser, Dr. Edward Brongersma (Foto), beschreibt die Beziehungen zwischen Jungen und Erwachsenen aus sexuologischer, historischer, soziologischer und ethnologischer Sicht. Viele Beispiele würzen das spannend und lehrreich geschriebene Werk, das jeden Knabenliebhaber erfreuen und aufmuntern und alle Skeptiker eines Besseren belehren wird. Loving Boys ist ein wichtiger Beitrag zur sexuellen Befreiung unserer Jugend und unerläßlich für jeden gebildeten Erzieher. Wer etwas für Knaben übrig hat, muß LOVING BOYS lesen.

DM 39,90,- plus Versandtkosten"

 

 

 

Bei der Staatsanwaltschaft 1

bei dem Landgericht Berlin

stellten wir Strafantrag gegen Peter Schnaubelt aufgrund seines umfangreichen Kinderpornoangebotes und fragten in diesem Zusammenhang bei der Staatsanwaltschaft Berlin nach ob in diesem Zusammenhang -logischerweise- auch gegen sämtliche Verlage, die Herr Schnaubelt betreut, gleich mit ermittelt werde. Wir ersuchten im besonderen auch darum sich die kinderpornografischen Inhalte in Wort und Bild des "ZEIG MAL!" Buches anzusehen, das sogar bei Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung umworben werde. Siehe dazu Werbung der BzfgA Eingangs des Buches)

Unter dem Aktenzeichen 75 Js 194/95 - Dez. Nr. 645 nahm die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf, der Herr Schnaubelt war seitdem flüchtig, wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht.

In der Tageszeitung "Die Welt" vom 5. März 97 hieß es dazu:

"Bundesweiter Kinderpornoring zerschlagen

dpa Nürnberg/Schweinfurt – Nach monatelangen Ermittlungen hat die Polizei einen bundesweit agierenden Herstellerring von Kinderpornos zerschlagen. Die Ermittler verhafteten drei Männer, denen neben der Verbreitung pornografischer filme, Fotos und Schriften teilweise auch der Mißbrauch von Kindern nachgewiesen wurde. Ungeklärt ist noch, ob einer der täter auch einen mord begangen hat; in einem Brief hatte er entsprechende Mitteilungen gemacht, die von der Polizei untersucht werden. In Nürnberg hatte die Polizei bereits im November den 25jährigen Inhaber mehrerer Fotofilialen verhaftet. Sein Berliner Geschäftspartner flüchtete nach Kolumbien, wurde jedoch mittlerweile nach Deutschland ausgeliefert. Bei ihm wurden rund 100 Kartons mit 50 000 kinderpornografischen Bildern und etwa 2000 Videokasetten gefunden. In Schweinfurt wurde ein 46jähriger fotosetzer inhaftiert. ihm wird die Verbreitung von Kinderpornografie in 100 Fällen nachgewiesen. Außerdem mißbrauchte er vier sieben- bis zehnjährige Mädchen und stellte dabei bilder und Filme her."

In der Ostfriesenzeitung vom 27. September 1997 heißt es:

"Kinderpornoprozeß: 3500 Kunden beliefert

54jähriger angeklagter bestreitet Vorwürfe

dpa Berlin. Im größten Berliner Prozeß um die herstellung und Vermarktung von Kinderpornografie hat der 54jährige Angeklagte gestern vor dem Landgericht die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Pädagoge berief sich auf die "freiwille Selbstkontrolle" durch Vorlage seiner Kataloge mit Kinderfotos bei der zuständigen Fachdienststelle der Kriminalpolizei. Er habe niemals kinderpornos, sondern legale FKK-Fotos und Filme produziert, sagte er. Dem Angeklagten werden sexueller mißbrauch von Kindern sowie Verbreitung von kinderpornografie in mehr als 50 Fällen vorgeworfen. Tausende Fotos und filme, die Geschlechtsteile von Minderjährigen zeigen, wurden in seinem verlag sichergestellt. 35oo Kunden sollen beliefert worden sein."

Mit diesem besagten Peter Schnaubelt hatte ich mehrere Telefongespräche. Er sagte mir, daß seine Kinder-FKK-Angebotskataloge von der Kriminalpolizei Berlin, bzw. in diesem Zusammenhang von der "Freiwillen Selbstkontrolle" für bedenkenlos erklärt worden seien. Er stehe damit also auf der sicheren Seite. Als ich die zuständige Staatsanwältin in Berlin, Frau Twachtmann, fragte ob denn in der Gerichtsverhandlung endliche seine Angebotskataloge mit den vielen schockierend eindeutigen Kindernacktaufnahmen zu Verhandlung kämen, sagte sie mir, daß diese Angebote aus der Verhandlung ausgeklammert würden.

In der Tat werden bis heute solche Produkte straflos weiter vertrieben! Ein öffentlicher Protest wäre mehr als überfällig! Es ist unglaublich, daß das Bundesjustizministerium sich weigert im Schutzinteresse der Kinder endlich einen Unterpunkt im § 184 StGB, Verbreitung pornografischer Schriften, zu formulieren. Die Meßlatte zur Kinderpornografie muß endlich niedriger gelegt werden als die zur Erwachsenenpornografie!! Ihr Protest, liebe Leser, beim Bundesjustizministerium, wäre von größtem Wert!

Am 21. 02. 97 erreichte uns von einem Redakteur aus Berlin folgende Nachricht:

"Lieber Herr Brenner ,

eine gute und eine schlechte Nachricht aus Berlin. Die gute: Peter Schnaubelt ist in Kolumbien beim Drehen von Kinderpornos verhaftet worden. Obwohl die Deutsche Justiz einen Auslieferungsantrag gestellt hat, gehe ich davon aus, daß er erstmal in Kolumbien verurteilt wird. Nun die schlechte Nachricht: Mit dieser Verhaftung ist der dreimal geschobene Beitrag (Bei ARD - Kontraste, Anm. ) wohl endgültig gestorben"